Spenderbrief 2002/01
Weiden, den 26. Januar 2002
Wir möchten Sie im Folgenden über unser Projekt und die Arbeit im vergangenen Jahr infor-mieren. Vielleicht schimpft gar der eine oder die andere von Ihnen über das viele Papier, doch wir denken, Sie haben ein Anrecht auf Information. Sollten Sie sogar mehr wissen wollen, so können wir Sie nur bitten uns anzurufen und vielleicht auch mal einen Termin in unserem Projekt zu vereinbaren. Wir freuen uns jedenfalls sehr über Ihr Interesse.
1) Die Arbeit der Hausaufgabenbetreuung ist nicht einfacher geworden, im Gegenteil: - Anstieg der betreuten Kinder und Jugendlichen auf derzeit 85 (vgl. Anlage 1), davon sind täglich zwischen 50 und 60 Kinder "vor Ort" die anderen haben entweder Nachmittags-unterricht, haben Sport, sind krank, o.ä.. Die Kinder kommen aus 17 verschiedenen Ländern, besuchen 12 verschiedene Weidener Schulen und 19 verschiedene Klassenstufen; und dennoch: Im vergangenen Schuljahr hat nur ein Kind das Klassenziel nicht erreicht! - die soziale Lage der betreuten Kinder und Jugendlichen bzw. deren Eltern hat sich im Jahr 2001 leider eher verschlechtert (vgl. Anlage 2); - auch im Jahr 2001 mussten wir akzeptieren, dass im Jugendzentrum - während unserer Betreuungsstunden - zwar Räume freistehen, wir diese aber dennoch nicht nutzen dürfen, obwohl wir angesichts der teilweise sehr belastenden räumlichen Bedingungen (mehere Betreuungsgruppen in einem Raum!) dringend zumindest einen weiteren Raum benötigten; - unsere finanziellen Aufwendungen sind gestiegen, da wir drei, mit 80% bezuschußte ABM-Stellen in sog. SAM-Stellen (Strukturanpassungsmaßnahme) - mit einem wesentlich niedrigeren Zuschuss seitens des Arbeitsamtes - umwandeln mussten; - es wird in der Tat immer schwieriger Spender und Förderer für unser Projekt zu gewinnen (vielleicht kennen Sie aber jemanden? Für diesen Fall legen wir Ihnen nochmals unseren, leider nicht mehr ganz aktuellen, Faltprospekt bei) und die großen Organisationen, Ver-bände und Stiftungen haben zumeist Förderbedingungen, in die wir leider nicht hinein-passen (z.B. ausschließliche Förderung neuer Projekte oder Förderung von Projekten, die sich um Aussiedler kümmern). Umso dankbarer sind wir Ihnen für Ihre finanzielle Unterstützung; - und der 11.9. und seine psychischen und rechtlichen Konsequenzen haben die Notwendig-keit unserer Arbeit als Anlauf-, Betreuungs- und Beratungsstelle überdeutlich gemacht. 2) Highlights des vergangenen Jahres: - die von uns betreuten Kinder/Jugendlichen/Familien aus Bosnien und dem Kosovo haben zumeist eine Aufenthaltsbefugnis erhalten - ich kann gar nicht mit kurzen Worten schildern, welche Last, welche Furcht von den Betroffenen abgefallen ist - hoffentlich können wir den Familien auch eine endgültige Sicherheit verschaffen. Auch in anderen Fällen konnten wir dazu beitragen, dass Menschen, die zu uns in die Bundesrepublik kamen um Schutz zu finden, nicht abgeschoben wurden; - nach einem Bericht in der Weidener Presse konnten wir einige neue "Mitmacherlnnen" begrüßen - wir sind wirklich stolz darauf, dass wir ehrenamtliche Helfer in unserem Projekt haben, die uns zum Teil schon seit vielen Jahren unterstützen und ohne die die Arbeit auch kaum zu schaffen wäre. Vielleicht haben auch Sie Interesse uns - und sei es auch nur für einen Nachmittag oder für ein paar Stunden - bei der Hausaufgabenhilfe zu helfen? Rufen Sie uns doch einfach mal an. - Am 18.12. hatten wir einen Termin bei Bundeskanzler Schröder: Im Rahmen des Wettbe-werbs "startsocial", an dem sich bundesweit über 2000 soziale, gemeinnützige Projekte beteiligten, kamen wir nach intensiven Begutachtungen mit unserem Projekt (nach einer Auszeichnung auf bayerischer Ebene) unter die letzten 25 und wurden dann im Rahmen einer Feierstunde im Bundeskanzleramt geehrt (vgl. Zeitungartikel und Bewertung). VORSCHAU AUF 2002 1) Folgen der Terroranschläge vom 11.9. In diesen Wochen beraten Bundestag und Bundesrat den Gesetzentwurf der Regierungs-koalition für ein Zuwanderungsgesetz. Viele gesellschaftliche Gruppen haben sich von diesem Gesetz den lange überfälligen Paradigmenwechsel erhofft: Die Ablösung des Aus-länderrechts als Fremdenabwehrrecht durch weltoffene Zuwanderungsregelungen. Gemessen an diesem Anspruch bleibt der Regierungsentwurf Stückwerk. Große Teile des bisherigen Ausländerrechts werden schlicht übernommen und mit neuen Etiketten versehen. Die ange-kündigte Vereinfachung wird in vieler Hinsicht nicht erreicht, im Gegenteil, es entsteht ein überaus kompliziertes Regelwerk. Spätestens mit Verabschiedung des Terrorisrnusbekämpfungsgesetzes (Anti-Terror-Paket II) wurde deutlich, dass diese Bundesregierung kein wirklich neues Kapitel des deutschen Aus-länderrechts aufschlägt. Stattdessen wird erneut der Weg eingeschlagen, den man vverlassen zu wollen vorgab: Die gesetzliche Konstruktion des Ausländers als ordnungsrechtliches Risiko, dem mit einer Vielzahl von Restriktionen entgegengetreten werden soll. 2) Termine - 7.3. um 19.30 Uhr im Evang. Vereinshaus - Vortrag mit Hans-Martin Gloel aus Nürnberg Thema: "Islam und Politik" – Die Aussagen des Koran vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage - 3. - 30.6.: Anne-Frank-Ausstellung in Weiden (Ort und Besuchszeiten bitte ich der Presse zu entnehmen) - 7.6. um 20 Uhr im Evang. Vereinshaus - Vortrag mit Frau Dr. Wirtgen, Fachärztin für Psychotherapie und Gründerin des Behandlungszentrums für Folteropfer "refugio" in München zum Thema: "Kinderflüchtlinge - Folteropfer" - 14.7. ab 14 Uhr findet zum 17. Mal unser Fest "Deutsche und Ausländer feiern gemeinsam" auf dem Gelände des Jugendzentrums (bei schlechtem Wetter im Jugend-zentrum) statt - 29.9. - 6.10.: Interkulturelle Woche (Veranstaltungen stehen noch nicht fest) Für Ihre stetige Unterstützung möchten wir uns abschließend nochmals im Namen aller Betrof-fenen ganz herzlich bedanken und unsere Vision mit einem kleinen Gedicht von Nazim Hikmet umschreiben: Leben - einzeln und frei wie ein Baum, doch brüderlich wie ein Wald. Das ist unsere Sehnsucht Mit herzlichen Grüßen Ursula und Jost Hess Spenderbrief 2003/02 Weiden, den 1.2.2003
Mit diesem sog. Spenderbrief wollen wir Sie wieder über unsere interkulturelle
Kinder- und Jugendarbeit im vergangenen Jahr informieren und auch einen
Ausblick auf das Jahr 2003 geben. Doch zunächst möchten wir
Ihnen für Ihre, zum Teil jahrelange ideelle und/oder finanzielle
Unterstützung ganz herzlich danken. Ohne Ihre Hilfe könnte unser
ehrenamtlich geleitetes und nahezu ausschließlich von Spenden abhängiges
Projekt nicht leben und für fast 90 Flüchtlingskinder, Kinder
jüdischer Kontingentflüchtlinge, Bürgerkriegsflüchtlinge,
Gast-
Wie Sie wissen, liegt der Schwerpunkt unseres interkulturellen Projekts
seit 1985 bei der täglichen Hausaufgabenhilfe. Wir wollen mit unserer
umfassenden schulischen Unter- Und eine weitere Studie unterstreicht nochmals die Notwendigkeit unserer
Arbeit: Die jährliche OECD-Studie "Bildung auf einen Blick"
kommt im Okt. 2002 zum Ergebnis, dass die Förderung von schwächeren
Schülern in Deutschland im Argen liegt. Danach könnten nur 14%
der Schüler eine individuelle Förderung durch ausgebildete Lehrkräfte
erhalten, was im internationalen Vergleich der mit weitem Abstand niedrigste
Anteil bedeutet (der OECD- Mit großer Freude registrieren wir eine stetig zunehmende, positive
Rückmeldung unserer Arbeit bei betroffenen Eltern wie Lehrern; und
wir sind tatsächlich ein bißchen stolz darauf, dass auch im
vergangenen Schuljahr wieder nur 2 Kinder das Klassenziel nicht erreicht
haben.
Doch es bleiben viele verzweifelte Menschen, die wir betreuen "müssen"
- und für Flücht- Wir versuchen hier durch unsere tägliche Anwesenheit, durch die Sicherheit vermittelnde Konstanz der Betreuerinnen, durch unsere offene gewaltfreie Art Vertrauen zu vermitteln. Mal glückt uns dies, mal weniger, selten gar nicht.
Und eine Hiobsbotschaft kommt wohl selten allein: Aufgrund einer Gesetzesänderung zum 1.1.03 können wir künftig bei Neubewilligungen nur noch Kräfte einstellen, die in den drei Jahren zuvor keine ABM-/SAM-Leistungen erhalten hatten. Mit anderen Worten: Wir müßten jährlich unser Personal auswechseln, und dies bei einer Arbeit, bei der es (siehe Ziff. 2) ganz wesentlich auf Konstanz, Vertrauen und Kenntis ankommt. Welcher Politiker hat sich nur so etwas ausgedacht - oder nicht gedacht?
Jost Hess Spenderbrief 2003/04 Weiden, den 7. Februar 2004
Liebe Spenderinnen und Spender,
Vor ein paar Tagen erst wurden die Ergebnisse der Grundschulstudie IGLU verِffentlicht und es zeigte sich auch in diesem Lنndervergleich - so wie es die PISA-Studien schon früher nachgewiesen haben -, dass Kinder aus deutschen Familien viel bessere Chancen auf Schulbildung haben als ihre Klassenkameraden aus Migrantenfamilien. So hat zum Beispiel ein Viertklässer aus einer deutschen Familie fast fünf Mal grِكere Chancen, vom Lehrer für das Gymnasium vorgeschlagen zu werden, als sein Klassenkamerad mit nichtdeutschen Eltern. Doch auch die Leistungen differieren erheblich: So liegen Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund bzgl. ihrer Lesekompetenz oder ihrer mathematischen Grundbildung bereits am Ende der Grundschulzeit weit hinter deutschen Kindern zurück. Ich komme anfangs unseres jährlichen Spenderbriefes, mit dem wir Ihnen wieder einen kleinen Einblick in unsere Arbeit geben wollen, auf diese oben beschriebene Situation, weil wir uns damit mittendrin in unserem Projekt befinden: Seit 1985 bemühen wir uns vornehmlich um die schulische Bildung von - derzeit 73 - Flüchtlingskindern, Bürgerkriegsflüchtlingen, Kinder jüdischer Kontingentflüchtlinge, Gastarbeiterkinder und auch einiger deutscher Kinder. Mit unserer umfassenden schulischen Unterstützung, Fِrderung und Beratung wollen wir Kindern und Jugendlichen mit schlechten Startchancen zu einer dauerhaften Eingliederung in das bundesdeutsche Bildungssystem verhelfen, zumal dies die unabdingbare Voraussetzung für eine spätere qualifizierte Berufsausbildung darstellt. Das demokratischen Prinzip “Gleiche Chancen für Alle” muss auch für ausländische und sozial benachteiligte Kinder gelten. Dies geht angesichts des deutschen Sprachdefizits, des Bildungsstandes und der allgemeinen Lebensprobleme der meisten Migranteneltern nur über eine konstante und aufgeschlossene Unterstützung. Lassen Sie mich einige Schlagworte zur Arbeit des vergangenen und kommenden Jahres anführen: 1) Die ideelle Unterstützung wird zunehmend breiter; Ehrungen, wie zum Beispiel die Überreichung des “Raben des Monats” im Nov. 2003 für ein besonders kinderfreundliches Projekt durch die Elternzeitung “spielen und lernen” bestätigen uns in unserer Arbeit; 2) unsere Internetseite “www.fluechtlingskinder.de” haben wir überarbeitet und vielleicht haben Sie einmal Zeit und Lust hineinzuschauen, ich glaube, es lohnt sich; 3)äußerst schwierig sind nach wie vor die finanziellen Rahmenbedingungen, was insbesondere auf die radikale Kürzung der Fِrdermittel durch das Arbeitsamt zurückgeht. So erhalten wir seit Beginn des Jahres 2003 nur noch ein Drittel der uns zuvor zugewendeten Fِrdermittel für unsere 3 angestellten Mitarbeiter (2 ABM-Krنfte mussten wir mangels Fِrderung sogar entlassen). Doch es kommt noch schlimmer: Ab Mai 2004 werden wir vom Arbeitsamt nur noch maximal 400 € pro Arbeitskraft bekommen.
4) Ein anderes Problem hat uns im Laufe des Jahres 2003 immer grِßere Schwierigkeiten bereitet: Das Jugendzentrum bzw. der Vorstand des Stadtjugendrings.
5) Doch die organisatorisch nur äußerst schwer zu beherrschende Situation getrennter Betreuungsrنume soll nicht von langer Dauer sein: Zwar wurde die in der Presse kolportierte Containerlِsung von der Regierung wegen nicht sichergestellter, langfristiger Nutzung verworfen, doch im Rahmen des Investitionsprogramms “Zukunft Bildung und Betreuung” plant die Stadt Weiden einen Antrag an die Bayer. Staatsregierung auf Fِrderung einer Anbauinvestition an das Jugendzentrum. Dieser Anbau soll dann Ende 2005 im wesentlichen unserem Projekt zur Verfügung stehen - na, schaun wir mal ....., hoffen wir mal ...... Zum Abschluss wiederhole ich meine Worte des letztjنhrigen Spenderbriefes: Wir mِchten Sie ganz herzlich bitten, uns mit Ihrem Interesse und Ihrer Unterstützung treu zu bleiben - und vielleicht kِnnen Sie auch den einen oder anderen Bekannten oder Verwandten davon überzeugen, dass unsere Arbeit wichtig und unterstützungswürdig ist. Wir sind auf Sie angewiesen! Sollten Sie mehr von unserer Arbeit wissen wollen oder kِnnten Sie sich eine ehrenamtliche Mitarbeit in einem familiären Team vorstellen, dann rufen Sie uns doch bitte an und wir vereinbaren einen Termin vor Ort. Wir freuen uns jedenfalls sehr über jedes Engagement! Mit einem kleinen Gedicht des türkischen Schriftstellers Nazim Hikmet mِchten wir unsere Vorstellung von der “EINEN WELT” und unseren Dank an Sie verbinden:
Mit herzlichen Grüßen
Anlage: Spendenbescheinigung für 2003 Spenderbrief 2004/05 Weiden, den 25. Februar 2005
Liebe Spenderinnen und Spender, Förderer und Interessenten!
Wieder wurde im letzten Jahr eine Pisa-Schulstudie veröffentlicht und wieder mussten wir den erschreckenden Befund zur Kenntnis nehmen, dass die Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen in keinem europäischen Land so eng ist wie in Deutschland. Hier sind nicht nur schöne Worte, hier ist eine Trendwende erforderlich: Das Bildungssystem muss soziale Mobilität ermöglichen, anstatt bestehende soziale Unterschiede zu manifestieren - und dies wird nur gelingen, wenn die Schule der Zukunft mehr ist als ein bloßer Lernort. Bildungspolitisches und pädagogisches Ziel muss es unserer Erfahrung aus 20 Jahren interkultureller Betreuung nach sein, Schulen zu Lern- und Lebensorten für Kinder, Lehrer und Eltern zu entwickeln, basiert doch eine demokratische und humane Gesellschaft gerade auf der Anerkennung von Heterogenität und ist auf das Lernen, miteinander zu leben, angewiesen. Erst wenn wir von einer Schule für wirklich alle Kinder sprechen können - auch für die aufgrund des Sozialstatus ihrer Eltern oder aufgrund sprachlicher Defizite Benachteiligten - wird die Trendwende zu schaffen sein.
Sie werden sich nicht wundern, dass ich zu Beginn unseres Spenderbriefes auf diese Zusam- - Um 11.30 Uhr beginnt für einige unserer MitarbeiterInnen die Arbeit mit der Vorbereitung des Mittagessens im Weidener Jugendzentrum (zuvor hatte unser “Hausmeister” schon die Getränke besorgt und haben andere die Tageseinkäufe erledigt - wobei wir auf ökologische Standards großen Wert legen; so werden wir regelmäßig auch von einem Biobauern mit Gemüse und Obst beliefert!); - um 13.30 Uhr ist dann gemeinsame, für alle Anwesenden (etwa 40 Personen) einzuhaltende Essenszeit, dient doch das Essen nicht nur der Sättigung, sondern gerade auch der Vermittlung sozialen Miteinanders; das Ritual des gemeinsamen Essens ist prägend für das Gefühl von Geborgenheit und Zuhause. Hier lernen Kinder, die oftmals keine Esskultur kennen, den Wert von Nahrungsmitteln zu schätzen und finden zu Meinungsaustausch und Gesprächen. Und auch die Themen “Umwelt und Ernährung” sind nicht erst seit Rio und BSE ein wichtiger Teilaspekt unserer Erziehungsarbeit; - nach dem Essen ist dann für die einen (Kinder der 2. bis 4. Jahrgangsstufe) nochmals Gelegenheit zu freiem Spiel, bietet doch das Freigelände des Jugendzentrums - und bei schlechtem Wetter auch das Haus selber - ein großes, vom Verkehr ungestörtes Betätigungsfeld, die anderen (Kinder der 1. und ab der 5. Jahrgangsstufe) gehen, die Kleineren natürlich begleitet, zu unseren neuen Räumlichkeiten im C&A-Gebäude in der Sedanstraße; - um 14.30 Uhr beginnt die Studierzeit in 8, von der jeweiligen Klassenstufe bestimmten Arbeitsgruppen mit (zumindest) jeweils zwei Betreuern (einer festen Gruppenleitung und ehrenamtlich Mitarbeitenden bzw. seit Jan. 05 “Ein-Euro-Kräften”). Die erste Studierzeit wird eisern eingehalten, sie dient vornehmlich der Anfertigung der Hausaufgaben, es herrscht Arbeitsstille! In den neuen Räumen im C&A-Gebäude wird die Arbeit durch eine kleine Bibliothek bzw. Medienraum und 2 Computerarbeitsplätze begünstigt; - um 16.30 Uhr wird eine Spiel- und Essens-/Trinkpause eingelegt. In den neuen Räumen befindet sich eine schöne Küche und in einem 165qm großen Etagenteil Kicker, Tischtennis, Airhockey und Billard; - ab 17.15 Uhr besteht in den Gruppen dann Gelegenheit zur Komplettierung der Hausaufgaben oder es ist jetzt die Zeit zum Wiederholen, Verstärken, Lernen in Nebenfächern. Die Grundschulkinder machen mit ihren BetreuerInnen Gesellschaftsspiele; - gegen 18.15 Uhr endet für die meisten Kinder der Tag in unserem Projekt. Mit den Jugend-
Was hat sich im letzten Jahr getan? Hierzu einige Schlaglichter: - Organisatorisch hat sich unsere Arbeit gefestigt. Unsere Befürchtungen, dass die räumliche Trennung zwischen Jugendzentrum und den durch Vermittlung von Rotary Weiden uns zur Verfügung gestellten Räumen im C&A-Gebäude “Sand ins Getriebe bringt”, haben sich nicht bestätigt, im Gegenteil! Wir können - nicht zuletzt Dank des großen Engagements aller MitarbeiterInnen - ruhiger und konsequenter arbeiten; - apropos MitarbeiterInnen: Es ist bemerkenswert, dass wir MitarbeiterInnen haben, die schon seit 10 Jahren ehrenamtlich in unserem Projekt mitarbeiten und ohne die natürlich unsere Arbeit gar nicht zu schaffen wäre; dass aber auch unsere festangestellten Mitarbeiterinnen - bzgl. der Räumlichkeiten ist zu erwähnen, dass Ende vergangenen Jahres ein Weidener Architekt mit der Planung eines Anbaus an die Pestalozzischule für unser Projekt beauftragt wurde. Wie ich Ihnen schon im letzten Spenderbrief mitgeteilt hatte, erhalten wir seit Sept. 2003 von der Bayer. Staatsregierung aus dem vom Bund initiierten Förderprogramm “Ganztagsbetreuung für Schülerinnen und Schüler der 5. - 10. Jahrgangsstufe” Mittel; die Pestalozzischule wurde dann als unsere Kooperationsschule bestimmt, da wir aus dieser Schule die meisten Kinder in unserem Projekt haben. Den Anbau, der zu 90% aus dem ebenfalls vom Bund erstellten Investitionsprogramm “Zukunft Bildung und Betreuung” finanziert wird, sollen wir in 2006 beziehen - na, schaun wir mal ... - äußerst schwierig sind - natürlich - nach wie vor unsere finanziellen Rahmenbedingungen:
Einen anderen Aspekt unserer Arbeit, ich sprach eingangs von Lebenhilfe, möchte ich hier
Wie wird es nun weitergehen? Eigentlich einfach zu beantworten: So wie schon viele Jahre - wir werden weiterarbeiten! Ich bitte Sie also sich drei Termine vorzumerken: - 22. April 2005, 20 Uhr, von Schlör-Saal (Max-Reger-Halle)
Zum Abschluss kann ich nur meine Worte der früheren Spenderbriefe wiederholen: Wir möchten Sie ganz herzlich bitten, uns mit Ihrem Interesse und Ihrer Unterstützung treu zu bleiben - und vielleicht können Sie auch den einen oder anderen Bekannten oder Verwandten davon überzeugen, dass unsere Arbeit wichtig und unterstützungswert ist. Wir sind auf Sie angewiesen!
Mit herzlichen Grüßen
ggf. Anlage: Spendenbescheinigung für 2004 Spenderbrief 2005/06 Weiden, den Feb. 2006
Liebe Spenderinnen und Spender, Förderer, Unterstützer und Interessenten!
Lassen Sie mich Ihnen im Rahmen des diesjährigen Spender- und Jahresberichts zunächst einmal zu Beginn ganz herzlich Danke sagen, denn ohne Ihre - größtenteils schon seit vielen Jahren - anhaltende, konstante Unterstützung könnten wir bei allem eigenen ehrenamtlichen Engagement dieses Projekt gar nicht betreiben. Und wie Sie aus unseren bisherigen Spenderbriefen und ev. auch aufgrund Ihrer persönlichen Kenntnisse unserer Arbeit wissen, ist diese Arbeit für viele Kinder, Jugendlichen und Familien - im wahrsten Sinne des Wortes - lebenswichtig. Und so hoffen wir ganz, ganz sehr, dass Sie die Bedeutung Ihrer Unterstützung kennen, diese hoffentlich aufrechterhalten und vielleicht sogar Andere “zu uns bringen”. Wenn Sie die Nachrichten der letzten Wochen in Sachen “Bildung, Ausbildung, Integration” Revue passieren lassen, so werden Sie feststellen, dass Ihre Unterstützung einem interkulturellen, sozialpädagogischen Betreuungsprojekt für Kinder/Jugendliche mit migrantischem Hintergrund dient, das von Beginn an auf der Höhe der Zeit war. Übertrieben?
Die deutschen Schulen - ein Fall für die UN-Menschenrechtskommission? Kein Routinebesuch, beileibe nicht. Niemand wird darüber klagen, dass die Menschenrechte hierzulande unmittelbar bedroht sind, Kinder wie in vielen Entwicklungsländern Hunger Probleme lange bekannt Die Defizite lassen sich plakativ wie folgt beschreiben: - “Die Schule, so wie sie jetzt organisiert ist, kann die Nachteile, die aus einem Elternhaus mit geringem Bildungskapital herrühren, kaum beseitigen” (so die frühere CDU-Ausländer-
Mit all den negativen Schlagzeilen wollen und dürfen wir uns nicht zufrieden geben. “In unserem von ehrenamtlichem Engagement getragenen Projekt erhalten Flüchtlingskinder, Kinder jüdischer Kontingentflüchtlinge, Bürgerkriegsflüchtlinge, Gastarbeiterkinder und auch deutsche Kinder eine umfassende schulische Unterstützung, Förderung und Beratung, ist doch die Eingliederung in das bundesdeutsche Bildungssystem für eine nachhaltige und dauerhafte Integration (nicht nur) von Neueinwanderern und ihren Familien von besonderer Bedeutung. Wir wollen erreichen, dass das demokratische Prinzip “Gleiche Chancen für Alle” auch für ausländische Kinder Gültigkeit hat. Dieser pädagogische Ansatz war im übrigen auch maßgeblich für den Erfolg unseres Projektes im Rahmen des Wettbewerbs “startsocial” der Deutschen Industrie unter Schirmherrschaft des Bundeskanzlers im Jahr 2001 (unter 2400 teilnehmenden gemeinnützigen, sozialen Projekten kamen wir unter die 25 Ausgezeichneten)...... ....Psychisch schwer belastend wirken sich auf “unsere” Kinder die Zukunftsängste und existenziellen Probleme in vielen ausländischen Familien (insbs. den Flüchtlingsfamilien) aus. Die oftmals über Jahre bestehende Unsicherheit über den weiteren Aufenthalt in Deutschland, die Angst vor Abschiebung in das Land, aus dem man vor Krieg, Gewalt oder Folter geflohen ist oder auch die Sorge über das Leben der in den Fluchtländern zurückgebliebenen Angehörigen und Freunde bestimmen das tägliche Gespräch in den Familien, drücken schwer auf die Psyche der Kinder. Auch die oft fehlende Arbeit, die Abhängigkeit von Sozialleistungen und die daraus resultierende neue (fehlende) Rolle des Vaters quält die Familien. Ohne vertraute, konstante und offene Ansprechpartner wären die Kinder/Jugendlichen restlos überfordert und kaum in der Lage schulische Leistungen zu erbringen.....
Die Zukunft aller Kinder heißt folglich Bildung, Bildung und nochmals Bildung - was nach unserer Überzeugung bedeutet, dass Ganztagsangebote für Migrantenkinder (wie kompli- Und Belege dafür, dass Eltern und Kinder mitmachen und dass die Behauptung, Migranten hätten kein Interesse an Bildung ein Vorurteil ist, haben wir: So kommen - im Unterschied zu den Klagen vieler Horte - im Durchschnitt 85% der von uns betreuten Kinder und Jugendlichen täglich in unsere Projekträume im JUZ und in der Sedanstraße. Und in den vergangenen Jahren hatten wir zum Schuljahresschluß jeweils nur maximal zwei Kinder, die das Klassenziel nicht erreichten (und dies war zumeist auch noch aufgrund besonderer Umstände begründbar). Zum Abschluß möchte ich Sie nochmals herzlich bitten, uns mit Ihrer Unterstützung treu zu bleiben - ganz einfach und doch so wichtig: Wir sind auf Sie angewiesen! “Leben - einzeln und frei wie ein Baum,
Mit herzlichen Grüßen
ggf. Anlage: Spendenbescheinigung für 2005 Spenderbrief 2006/07
Weiden, den 23. Januar 2007
Liebe Spenderinnen und Spender, Förderer, Unterstützer und Interessenten!
Im Roman von Antoine de St. Exupery, dem Autor des “Kleinen Prinzen” (der im übrigen
Ich finde kaum eine passendere Darstellung des Kernmotivs unseres Engagements im Betreuungsprojekt des Arbeitskreis Asyl Weiden e.V. und der Arbeitsgruppe Weiden des Kinderhilfswerks terre des hommes. Mit dem eigenen Engagement dazu beitragen, dass auch hier bei uns in Deutschland alle Kinder eine Chance auf eine eigene Lebensperspektive erhalten - und das heißt in unserem Kontext: ein Recht auf Bildung haben - das hat etwas mit ´Mensch sein` in dem von St. Exupery beschriebenen Sinn zu tun und ist ein überzeugender Beitrag für ein Stück mehr Menschlichkeit auf dieser Erde. Ich hoffe sehr, dass Sie sich mit Ihren Vorstellungen in dieser Beschreibung wiederfinden, denn wir sind auf Ihre finanzielle und/oder ideelle Unterstützung auch künftig so sehr angewiesen. Und selten wird der Spruch, “nur gemeinsam sind wir stark”, so gelten wie in unserem Fall.
Im folgenden möchte ich Ihnen nun wieder - wie in jedem Jahr - einen kleinen Bericht über die Situation in unserem Projekt geben (auf Nachfrage können wir Ihnen auch gerne Kopien unserer drei letzten Jahresberichte zusenden); dazu zunächst einige statistische Angaben: - wir beginnen mit unserer täglichen Betreuung um 11.30 Uhr, das Mittagessen für 55 bis 65 - die Kinder/Jugendlichen besuchen 16 verschiedene Schulen (43 Grundschüler, 48 Hauptschüler, 46 Schüler weiterführender Schulen, d.h. gut 30% (!) der von uns zT schon über - den monatlichen Hortbeitrag iHv 40 € erhalten wir von den Eltern für 61 Kinder/Jugendliche, - zur Finanzierung unseres Projektes tragen darüberhinaus im Wesentlichen Zuschüsse der
Im folgenden möchte ich nun kurz einige herausgehobene Ergebnisse des ersten Berichts der Kultusministerkonferenz “Bildung in Deutschland” vom 2. Juni 2006, der Empfehlungen der KMK “Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule” vom 25. Oktober 2006 und verschiedener Schulstudien (PISA, IGLU, Pisa-I-Plus, u.a.) darstellen, um so unter Verweis
Zentrale Aussagen:
- In keinem Industrieland ist der Bildungserfolg so stark vom sozialen Status der Eltern ab- - fast 10% der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Legt man statt der Staatsangehörigkeit das Kriterium Migrationshintergrund zu Grunde, kommt fast ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Westdeutschland aus Migrantenfamilien - fast jeder fünfte ausländische Jugendliche verlässt die Schule ohne Abschluss (gegenüber jedem zwölften deutschen Jugendlichen), fast jedes zweite ausländische Kind besucht die Hauptschule (gegenüber jedem fünften deutschen Kind) und nur jeder Zehnte schließt die Schullaufbahn mit dem Abitur ab (gegenüber jeden vierten deutschen Schüler) - Kinder aus unteren sozialen Schichten, vor allem solche mit Migrationshintergrund, weisen bei der Übergangsentscheidung von der Grund-/Hauptschule an eine weiterführende Schule trotz gleicher Schulleistung (!) geringere Übertrittsquoten auf - Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund scheitern überdurchschnittlich häufig - noch alarmierender: in Deutschland geht die Schere zwischen einheimischen und Schülern - der Anteil der Arbeitslosen ohne angeschlossene Berufsausbildung ist bei Migranten mit über 70% weit mehr als doppelt so hoch wie bei Deutschen (28%)
- während bei deutschen Jugendlichen nur ca. 12% ohne berufliche Ausbildung bleiben, liegt die Ungelerntenquote der jungen Migranten bei rund 40%
Was sagen uns nun die “zentralen Aussagen” und Befunde aller relevanten Berichte und Studien? Ziel einer modernen Integrationspolitik muss es sein, Migrantinnen und Migranten eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dazu gehört an allererster Stelle Chancengleichheit - und die müssen wir für alle Kinder einfordern. Denn hier geht es zutiefst um Menschenwürde, Menschenrechte und menschliche Entwicklungs-
Lassen Sie mich meinen diesjährigen Spenderbrief mit einem optimistisch stimmenden Beispiel für die Einbindung und Ausstrahlungskraft unseres Projektes abschließen: Das Elly-Heuss-Gymnasium hat beschlossen, das für seine 80 Schülerinnen des sozialen Zweigs der 8. Klasse (G 8) auf jeweils 15 Stunden angelegte Sozialpraktikum in unserem Projekt durchzuführen. Die Schülerinnen sind uns hochwillkommen, sie helfen uns und wir können ihnen vor Ort zeigen, dass Andere nicht anders sind, nur anders gemacht bzw. anders dargestellt werden. Und so bin ich mir sicher, dass wir den “Gastschülerinnen” auch Einiges über soziales Miteinander, über Chancengleichheit und Gerechtigkeit, über Vorurteile und Offenheit vermitteln können.
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse, ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung und bitte Sie ganz herzlich und dringend, uns Ihre Unterstützung auch weiterhin zu gewähren (und vielleicht
ggf. Anlage: Spendenbescheinigung für das Jahr 2006 |