Spenderbrief 2002/01


 

terre des hommes und Arbeitskreis Asyl
Betreuung von Flüchtlings-
kindern in Weiden
c/o Ursula und Jost Hess
Hohenstaufenstraße 99
92637 Weiden
Tel. Betreuung (0961) 250 36
Telefon privat (0961) 271 56
Fax (0961) 238 81
email: hess@fluechtlingskinder.de
www.fluechtlingskinder.de

 

Weiden, den 26. Januar 2002


Liebe Spenderinnen und Spender, Förderer, Interessenten und Unterstützer!


Wieder ist ein Jahr (wieder viel zu schnell) vergangen. Ein Jahr , in dem Millionen großer und kleiner Menschen Armut, Unterdrückung, Ausbeutung, Verfolgung und kriegerischen Konflikten ausgesetzt waren und sind. Aber auch ein Jahr, in dem sich wieder Menschen dafür eingesetzt haben, dass dies nicht so bleibt. Zu diesen Menschen gehören auch Sie. Sie haben unser Projekt zur Betreuung und Integration von Flüchtlings- und Migrantenkindern (und Jugendlichen) im Jahr 2001 weiterhin finanziell und/oder moralisch unterstützt - und dafür bedanken wir uns ganz herzlich. Ohne Ihre Hilfe wäre das ehrenamtlich geleitete und nahezu ausschließlich von Spenden lebende Projekt nicht durchführbar und 85 Flüchtlingskinder, Kinder jüdischer Kontingentflüchtlinge, Bürgerkriegsflüchtlinge, Gastarbeiterkinder und auch einige deutsche Kinder würden nicht angemessen versorgt und betreut und die sprachliche, soziale und kulturelle Integration würden ihnen viel, viel schwerer fallen.

Wir möchten Sie im Folgenden über unser Projekt und die Arbeit im vergangenen Jahr infor-mieren. Vielleicht schimpft gar der eine oder die andere von Ihnen über das viele Papier, doch wir denken, Sie haben ein Anrecht auf Information. Sollten Sie sogar mehr wissen wollen, so können wir Sie nur bitten uns anzurufen und vielleicht auch mal einen Termin in unserem Projekt zu vereinbaren. Wir freuen uns jedenfalls sehr über Ihr Interesse.


RÜCKBLICK auf 2001

1) Die Arbeit der Hausaufgabenbetreuung ist nicht einfacher geworden, im Gegenteil:

- Anstieg der betreuten Kinder und Jugendlichen auf derzeit 85 (vgl. Anlage 1), davon sind täglich zwischen 50 und 60 Kinder "vor Ort" die anderen haben entweder Nachmittags-unterricht, haben Sport, sind krank, o.ä.. Die Kinder kommen aus 17 verschiedenen Ländern, besuchen 12 verschiedene Weidener Schulen und 19 verschiedene Klassenstufen; und dennoch: Im vergangenen Schuljahr hat nur ein Kind das Klassenziel nicht erreicht!

- die soziale Lage der betreuten Kinder und Jugendlichen bzw. deren Eltern hat sich im Jahr 2001 leider eher verschlechtert (vgl. Anlage 2);

- auch im Jahr 2001 mussten wir akzeptieren, dass im Jugendzentrum - während unserer Betreuungsstunden - zwar Räume freistehen, wir diese aber dennoch nicht nutzen dürfen, obwohl wir angesichts der teilweise sehr belastenden räumlichen Bedingungen (mehere Betreuungsgruppen in einem Raum!) dringend zumindest einen weiteren Raum benötigten;

- unsere finanziellen Aufwendungen sind gestiegen, da wir drei, mit 80% bezuschußte ABM-Stellen in sog. SAM-Stellen (Strukturanpassungsmaßnahme) - mit einem wesentlich niedrigeren Zuschuss seitens des Arbeitsamtes - umwandeln mussten;

- es wird in der Tat immer schwieriger Spender und Förderer für unser Projekt zu gewinnen (vielleicht kennen Sie aber jemanden? Für diesen Fall legen wir Ihnen nochmals unseren, leider nicht mehr ganz aktuellen, Faltprospekt bei) und die großen Organisationen, Ver-bände und Stiftungen haben zumeist Förderbedingungen, in die wir leider nicht hinein-passen (z.B. ausschließliche Förderung neuer Projekte oder Förderung von Projekten, die sich um Aussiedler kümmern). Umso dankbarer sind wir Ihnen für Ihre finanzielle Unterstützung;

- und der 11.9. und seine psychischen und rechtlichen Konsequenzen haben die Notwendig-keit unserer Arbeit als Anlauf-, Betreuungs- und Beratungsstelle überdeutlich gemacht.

2) Highlights des vergangenen Jahres:

- die von uns betreuten Kinder/Jugendlichen/Familien aus Bosnien und dem Kosovo haben zumeist eine Aufenthaltsbefugnis erhalten - ich kann gar nicht mit kurzen Worten schildern, welche Last, welche Furcht von den Betroffenen abgefallen ist - hoffentlich können wir den Familien auch eine endgültige Sicherheit verschaffen. Auch in anderen Fällen konnten wir dazu beitragen, dass Menschen, die zu uns in die Bundesrepublik kamen um Schutz zu finden, nicht abgeschoben wurden;

- nach einem Bericht in der Weidener Presse konnten wir einige neue "Mitmacherlnnen" begrüßen - wir sind wirklich stolz darauf, dass wir ehrenamtliche Helfer in unserem Projekt haben, die uns zum Teil schon seit vielen Jahren unterstützen und ohne die die Arbeit auch kaum zu schaffen wäre. Vielleicht haben auch Sie Interesse uns - und sei es auch nur für einen Nachmittag oder für ein paar Stunden - bei der Hausaufgabenhilfe zu helfen? Rufen Sie uns doch einfach mal an.

- Am 18.12. hatten wir einen Termin bei Bundeskanzler Schröder: Im Rahmen des Wettbe-werbs "startsocial", an dem sich bundesweit über 2000 soziale, gemeinnützige Projekte beteiligten, kamen wir nach intensiven Begutachtungen mit unserem Projekt (nach einer Auszeichnung auf bayerischer Ebene) unter die letzten 25 und wurden dann im Rahmen einer Feierstunde im Bundeskanzleramt geehrt (vgl. Zeitungartikel und Bewertung).

VORSCHAU AUF 2002

1) Folgen der Terroranschläge vom 11.9.

In diesen Wochen beraten Bundestag und Bundesrat den Gesetzentwurf der Regierungs-koalition für ein Zuwanderungsgesetz. Viele gesellschaftliche Gruppen haben sich von diesem Gesetz den lange überfälligen Paradigmenwechsel erhofft: Die Ablösung des Aus-länderrechts als Fremdenabwehrrecht durch weltoffene Zuwanderungsregelungen. Gemessen an diesem Anspruch bleibt der Regierungsentwurf Stückwerk. Große Teile des bisherigen Ausländerrechts werden schlicht übernommen und mit neuen Etiketten versehen. Die ange-kündigte Vereinfachung wird in vieler Hinsicht nicht erreicht, im Gegenteil, es entsteht ein überaus kompliziertes Regelwerk. Spätestens mit Verabschiedung des Terrorisrnusbekämpfungsgesetzes (Anti-Terror-Paket II) wurde deutlich, dass diese Bundesregierung kein wirklich neues Kapitel des deutschen Aus-länderrechts aufschlägt. Stattdessen wird erneut der Weg eingeschlagen, den man vverlassen zu wollen vorgab: Die gesetzliche Konstruktion des Ausländers als ordnungsrechtliches Risiko, dem mit einer Vielzahl von Restriktionen entgegengetreten werden soll.

2) Termine

- 7.3. um 19.30 Uhr im Evang. Vereinshaus - Vortrag mit Hans-Martin Gloel aus Nürnberg Thema: "Islam und Politik" – Die Aussagen des Koran vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage

- 3. - 30.6.: Anne-Frank-Ausstellung in Weiden (Ort und Besuchszeiten bitte ich der Presse zu entnehmen)

- 7.6. um 20 Uhr im Evang. Vereinshaus - Vortrag mit Frau Dr. Wirtgen, Fachärztin für Psychotherapie und Gründerin des Behandlungszentrums für Folteropfer "refugio" in München zum Thema: "Kinderflüchtlinge - Folteropfer"

- 14.7. ab 14 Uhr findet zum 17. Mal unser Fest "Deutsche und Ausländer feiern gemeinsam" auf dem Gelände des Jugendzentrums (bei schlechtem Wetter im Jugend-zentrum) statt

- 29.9. - 6.10.: Interkulturelle Woche (Veranstaltungen stehen noch nicht fest)

Für Ihre stetige Unterstützung möchten wir uns abschließend nochmals im Namen aller Betrof-fenen ganz herzlich bedanken und unsere Vision mit einem kleinen Gedicht von Nazim Hikmet umschreiben:

Leben - einzeln und frei wie ein Baum, doch brüderlich wie ein Wald. Das ist unsere Sehnsucht

Mit herzlichen Grüßen

Ursula und Jost Hess



 

Spenderbrief 2003/02


Weiden, den 1.2.2003


Liebe Spenderinnen und Spender,
Förderer, Interessenten und Unterstützer!

Mit diesem sog. Spenderbrief wollen wir Sie wieder über unsere interkulturelle Kinder- und Jugendarbeit im vergangenen Jahr informieren und auch einen Ausblick auf das Jahr 2003 geben. Doch zunächst möchten wir Ihnen für Ihre, zum Teil jahrelange ideelle und/oder finanzielle Unterstützung ganz herzlich danken. Ohne Ihre Hilfe könnte unser ehrenamtlich geleitetes und nahezu ausschließlich von Spenden abhängiges Projekt nicht leben und für fast 90 Flüchtlingskinder, Kinder jüdischer Kontingentflüchtlinge, Bürgerkriegsflüchtlinge, Gast-
arbeiterkinder und auch einige deutsche Kinder bliebe das selbstverständliche Verlangen nach Chancengleichheit nur ein Wunschtraum.


1) Hinter uns liegt ein Jahr, in dem die Bildungspolitik Schlagzeilen gemacht hat wie selten zuvor. Die Chiffre dafür heißt PISA, ein PISA, das nicht in der Toskana liegt.
Bundespräsident Rau sagte dazu in einem Grußwort anläßlich des Kongresses "Qualität im Bildungswesen" der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Dez. 2002: "Das wichtigste und zugleich bestürzenste Ergebnis der beiden PISA-Studien ist für mich, dass der Schulerfolg einer Schülerin oder eines Schülers in keinem anderen Land in Europa so stark von der sozialen Herkunft abhängt wie bei uns in Deutschland".

Wie Sie wissen, liegt der Schwerpunkt unseres interkulturellen Projekts seit 1985 bei der täglichen Hausaufgabenhilfe. Wir wollen mit unserer umfassenden schulischen Unter-
stützung, Förderung und Beratung erreichen, dass das demokratische Prinzip "Gleiche Chancen für Alle" auch für ausländische und sozial benachteiligte Kinder Gültigkeit hat, ist doch die Eingliederung in das bundesdeutsche Bildungssystem für eine nachhaltige und dauerhafte Integration (nicht nur) von Neueinwanderern von besonderer Bedeutung. Zudem stellt dies die unabdingbare Voraussetzung für eine spätere qualifizierte Berufsausbildung dar.

Und eine weitere Studie unterstreicht nochmals die Notwendigkeit unserer Arbeit: Die jährliche OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" kommt im Okt. 2002 zum Ergebnis, dass die Förderung von schwächeren Schülern in Deutschland im Argen liegt. Danach könnten nur 14% der Schüler eine individuelle Förderung durch ausgebildete Lehrkräfte erhalten, was im internationalen Vergleich der mit weitem Abstand niedrigste Anteil bedeutet (der OECD-
Durchschnitt liegt bei 72%). Wir versuchen diese Situation für "unsere" Kinder zu verbes-
sern: 6 Hauptamtliche (ABM-/SAM-Kräfte), 1 Praktikantin, 9 ehrenamtlich Tätige, 6 Sozial-
pflichtstunden ableistende ausländische MitarbeiterInnen und schließlich Ursula Hess als Motor, Organisator, Leiterin arbeiten täglich von 11.30 bis 19.30 Uhr für und mit den Kindern und Jugendlichen.

Mit großer Freude registrieren wir eine stetig zunehmende, positive Rückmeldung unserer Arbeit bei betroffenen Eltern wie Lehrern; und wir sind tatsächlich ein bißchen stolz darauf, dass auch im vergangenen Schuljahr wieder nur 2 Kinder das Klassenziel nicht erreicht haben.
Und noch eine positive Meldung: Das Miteinander im Weidener Jugendzentrum hat sich fühlbar verbessert; es herrscht ein freundliches und umgängliches Klima; die Arbeit erfolgt abgestimmt und ungestört. Zusammenfassend kann ich sicher ohne Übertreibung sagen: Unser Projekt ist wohl organisiert, gut strukturiert und - im Jahr 2002 - personell abgesichert.


2) Sorge bereitet uns die Lebenssituation vieler Flüchtlingsfamilien (und natürlich auch Allein
stehender). Fakt ist, dass nach der Grundgesetzänderung im Jahre 1993 die besondere Asyl-
garantie heute nur noch eine papierne Erinnerung an unsere besondere deutsche Geschichte darstellt. Und Fakt ist auch, dass aufgrund einer sich immer weiter verengenden, nicht mehr nachvollziehbaren Rechtsprechung der Asylgerichte und einer sich zunehmend verschär-
fenden Verordnungslage Flüchtlinge nur noch in seltenen Fällen Chancen auf einen ge-
sicherten Aufenthalt in Deutschland haben. Die menschlichen Tragödien, denen wir beinahe täglich gegenüberstehen, lassen sich psychisch oft nur schwer bewältigen. Umso glücklicher sind wir, dass wir nach langem gemeinsamen Kampf für 7 Familien - und damit 17 "unserer" Kinder und Jugendlichen - aus dem Kosovo ein gesichertes Aufenthaltsrecht erreicht haben.

Doch es bleiben viele verzweifelte Menschen, die wir betreuen "müssen" - und für Flücht-
lingskinder ist die Situation ganz besonders dramatisch: Flüchtlingskinder, so beschrieb es die Psychotherapeutin Dr. Waltraud Wirtgen in einem Vortrag im vergangenen Jahr bei uns in Weiden, leiden unter dem Verlust all dessen, was ihnen bisher lieb und wert war und ihnen den Halt gab zu einer kindgerechten Entwicklung. Plötzlich erleben sie Dinge, die sie nie mehr vergessen können und die sie ihr ganzes Leben begleiten werden. Sie spüren dabei, dass über all diese Schrecknisse geschwiegen werden soll. So geben z.B. die Eltern in ihrer gefühlsmäßigen "Versteinerung" (anders ist Folter, Unterdrückung, Vergewaltigung wohl oftmals gar nicht zu bewältigen?) ihre traumatische und schmerzhafte Vergangenheit unbe-
merkt und schweigend an die Kinder weiter. Eine Art "schreckliches Geheimnis" wird von den Kindern atmosphärisch gespürt; sie fühlen sich noch zusätzlich von den Eltern verlassen.

Wir versuchen hier durch unsere tägliche Anwesenheit, durch die Sicherheit vermittelnde Konstanz der Betreuerinnen, durch unsere offene gewaltfreie Art Vertrauen zu vermitteln. Mal glückt uns dies, mal weniger, selten gar nicht.


3) Eine Entwicklung muss ich leider ansprechen, die uns um die Zukunft unserer Arbeit bangen läßt:
Zu Beginn des Jahres 2003 erhielten wir vom hiesigen Arbeitsamt die lapidare Mitteilung, dass wir künftig für unsere ABM-/SAM-Anträge nur noch mit einer Pauschalförderung in Höhe von 600 Euro rechnen könnten. Was bedeutet das? In unserem Projekt arbeiten schon seit meheren Jahren 6 angestellte Betreuerinnen - im Jahr 2002 waren es 2 ABM-Beschäftig-
te (mit einer Förderung durch das Arbeitsamt in Höhe von 80% des auf 90% abgesenkten Tariflohns der Vergürungsgruppe VII BAT) und 4 SAM-Beschäftigte (mit einem Festzu-
schuss des Arbeitsamtes zu ihrem jeweiligen Lohn in Höhe von 1.075 Euro). Wenn nun künftig vom Arbeitsamt nur noch ein Pauschalzuschuss je Kraft von 600 Euro geleistet wird, so müßten wir bei nur noch 5 (statt bisher 6) Betreuerinnen monatlich gut 2.000 Euro mehr als bisher aus eigenen Mitteln aufwenden.
Mit anderen Worten: Wir müssen weitere Spender für monatlich 2.000 Euro gewinnen - andernfalls würde unserer Arbeit finanziell der Boden entzogen.

Und eine Hiobsbotschaft kommt wohl selten allein: Aufgrund einer Gesetzesänderung zum 1.1.03 können wir künftig bei Neubewilligungen nur noch Kräfte einstellen, die in den drei Jahren zuvor keine ABM-/SAM-Leistungen erhalten hatten. Mit anderen Worten: Wir müßten jährlich unser Personal auswechseln, und dies bei einer Arbeit, bei der es (siehe Ziff. 2) ganz wesentlich auf Konstanz, Vertrauen und Kenntis ankommt. Welcher Politiker hat sich nur so etwas ausgedacht - oder nicht gedacht?


4) Einen letzten Gedanken möchte ich nicht unerwähnt lassen: Unsere Arbeit verstehen wir - jenseits des erzieherischen, sozialen und bildungspolitischen Ansatzes - auch als einen Beitrag zu einer aktiven Friedensarbeit, gemäß dem Motto: "Wir müssen unseren Kindern den Frieden erklären, damit sie nie anderen den Krieg erklären".
Dieses Motto verstehen wir als Auftrag im Kleinen - also im unmittelbaren Miteinander - aber auch darüberhinaus. Noch vor ein paar Jahren hatten wir darauf gesetzt, dass eine neue Ära des Friedens beginnen könnte. Aber die Ereignisse des 11. September und die sich daraus entwickelnde ideenlose Antwort "Weltweiter Krieg gegen den Terror" scheint diese Hoffnungen zunichte zu machen. Hier sind wir alle gefragt, denn es geht uns und unsere Kinder unmittelbar an!


Zum Abschluss möchte ich Sie nochmals ganz herzlich bitten, uns mit Ihrem Interesse und Ihrer Unterstützung treu zu bleiben - und vielleicht könnten Sie auch den einen oder anderen Bekannten, Verwandten, Arbeitskollegen davon überzeugen, dass unsere Arbeit wichtig und förderungswürdig ist. Wir sind auf Sie angewiesen!
Sollten Sie mehr von unserer Arbeit wissen wollen oder könnten Sie sich gar eine Mitarbeit vorstellen, dann rufen Sie uns doch bitte an und wir vereinbaren einen Gesprächstermin. Wir freuen uns jedenfalls sehr über jedes Engagement. Sehr nachdrücklich nennt Arno Gruen, ein Schweizer Psychoanalytiker, "unsere Politik eine Politik der Gleichgültigkeit und unsere Gesellschaft eine solche mit dem Verlust des Mitgefühls". Er soll nicht recht haben!


Mit herzlichen Grüßen

Jost Hess



 

Spenderbrief 2003/04


Weiden, den 7. Februar 2004

 

Liebe Spenderinnen und Spender,
Fِrderer und Unterstützer!

 

 

Vor ein paar Tagen erst wurden die Ergebnisse der Grundschulstudie IGLU verِffentlicht und es zeigte sich auch in diesem Lنndervergleich - so wie es die PISA-Studien schon früher nachgewiesen haben -, dass Kinder aus deutschen Familien viel bessere Chancen auf Schulbildung haben als ihre Klassenkameraden aus Migrantenfamilien. So hat zum Beispiel ein Viertklässer aus einer deutschen Familie fast fünf Mal grِكere Chancen, vom Lehrer für das Gymnasium vorgeschlagen zu werden, als sein Klassenkamerad mit nichtdeutschen Eltern. Doch auch die Leistungen differieren erheblich: So liegen Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund bzgl. ihrer Lesekompetenz oder ihrer mathematischen Grundbildung bereits am Ende der Grundschulzeit weit hinter deutschen Kindern zurück.

Ich komme anfangs unseres jährlichen Spenderbriefes, mit dem wir Ihnen wieder einen kleinen Einblick in unsere Arbeit geben wollen, auf diese oben beschriebene Situation, weil wir uns damit mittendrin in unserem Projekt befinden: Seit 1985 bemühen wir uns vornehmlich um die schulische Bildung von - derzeit 73 - Flüchtlingskindern,

Bürgerkriegsflüchtlingen, Kinder jüdischer Kontingentflüchtlinge, Gastarbeiterkinder und auch einiger deutscher Kinder. Mit unserer umfassenden schulischen Unterstützung, Fِrderung und Beratung wollen wir Kindern und Jugendlichen mit schlechten Startchancen zu einer dauerhaften Eingliederung in das bundesdeutsche Bildungssystem verhelfen, zumal dies die unabdingbare Voraussetzung für eine spätere qualifizierte Berufsausbildung darstellt. Das demokratischen Prinzip “Gleiche Chancen für Alle” muss auch für ausländische und sozial benachteiligte Kinder gelten. Dies geht angesichts des deutschen Sprachdefizits, des Bildungsstandes und der allgemeinen Lebensprobleme der meisten Migranteneltern nur über eine konstante und aufgeschlossene Unterstützung.

Lassen Sie mich einige Schlagworte zur Arbeit des vergangenen und kommenden Jahres anführen:

1) Die ideelle Unterstützung wird zunehmend breiter; Ehrungen, wie zum Beispiel die Überreichung des “Raben des Monats” im Nov. 2003 für ein besonders kinderfreundliches Projekt durch die Elternzeitung “spielen und lernen” bestätigen uns in unserer Arbeit;

2) unsere Internetseite “www.fluechtlingskinder.de” haben wir überarbeitet und vielleicht haben Sie einmal Zeit und Lust hineinzuschauen, ich glaube, es lohnt sich;

3)äußerst schwierig sind nach wie vor die finanziellen Rahmenbedingungen, was insbesondere auf die radikale Kürzung der Fِrdermittel durch das Arbeitsamt zurückgeht. So erhalten wir seit Beginn des Jahres 2003 nur noch ein Drittel der uns zuvor zugewendeten Fِrdermittel für unsere 3 angestellten Mitarbeiter (2 ABM-Krنfte mussten wir mangels Fِrderung sogar entlassen). Doch es kommt noch schlimmer: Ab Mai 2004 werden wir vom Arbeitsamt nur noch maximal 400 € pro Arbeitskraft bekommen.

Gottseidank kِnnen wir aber auch positive Finanzentwicklungen vermelden: So erhielten wir im Jahr 2003 nun schon zum dritten Mal eine kräftige Unterstützung durch die Aktion 1+1 der Evang. Kirche in Bayern, das Kinderhilfswerk terre des hommes fِrdert uns zuverlässig seit nunmehr 17 Jahren, über 100 Spender aus unserer Region halten uns zum Teil schon seit vielen Jahren die Treue und die Bayer. Staatsregierung hat unser Projekt - in Kooperation mit der Albert-Schweitzer-Schule - zu Beginn des Schuljahres 2003/2004 in das, vom Bund initiierte Fِrderprogramm “Ganztagsbetreuung für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 10” aufgenommen.

 

4) Ein anderes Problem hat uns im Laufe des Jahres 2003 immer grِßere Schwierigkeiten bereitet: Das Jugendzentrum bzw. der Vorstand des Stadtjugendrings.

Vielleicht haben Sie in den letzten Monaten immer wieder mal einen Zeitungsbericht zu unseren rنumlichen Problemen im JUZ gelesen. Im Kern geht es darum , dass der Vorstand uns drei von sechs Räumen nicht mehr zur Verfügung stellen mِchte, da er diese nach eigenem Bekunden für eigene Zwecke brauchen würde (wir sollten, um mit diesem Problem fertig zu werden die betreute Kinderzahl um sage und schreibe 30 reduzieren). Unsere Hinweise auf die jahrelange Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in einem mit ِffentlichen Mitteln gebauten Jugendzentrum oder unsere Angebote, die Rنume doch abgestimmt gemeinsam zu nutzen, fruchteten leider nicht: Ende September wurden in einer Wochenend-
aktion Schlِsser ausgetauscht und wir standen mit den betroffenen Jugendlichen im wahrsten Sinne des Wortes vor verschlossenen Türen - die Veranda wurde zum Klassenzimmer.

Nach Intervention verschiedenster Seiten wurde dieser Zustand zwar zunنchst wieder rückgنngig gemacht, aber Ende Februar 2004 ist es nun doch so weit: Der Vorstand des Stadtjugendrings beharrte auf der vِlligen Rückgabe der o.g. 3 Räume (wir mussten früher schon einmal einen Raum freimachen, der dann 18 Monate leerstand!). Das heisst: Mit
etwa 35 Kindern und Jugendlichen müssen wir andere, uns über Rotary Weiden vermittelte Rنume in einem Weidener Geschäftshaus beziehen.

 

5) Doch die organisatorisch nur äußerst schwer zu beherrschende Situation getrennter Betreuungsrنume soll nicht von langer Dauer sein: Zwar wurde die in der Presse kolportierte Containerlِsung von der Regierung wegen nicht sichergestellter, langfristiger Nutzung verworfen, doch im Rahmen des Investitionsprogramms “Zukunft Bildung und Betreuung” plant die Stadt Weiden einen Antrag an die Bayer. Staatsregierung auf Fِrderung einer Anbauinvestition an das Jugendzentrum. Dieser Anbau soll dann Ende 2005 im wesentlichen unserem Projekt zur Verfügung stehen - na, schaun wir mal ....., hoffen wir mal ......

Zum Abschluss wiederhole ich meine Worte des letztjنhrigen Spenderbriefes: Wir mِchten Sie ganz herzlich bitten, uns mit Ihrem Interesse und Ihrer Unterstützung treu zu bleiben - und vielleicht kِnnen Sie auch den einen oder anderen Bekannten oder Verwandten davon überzeugen, dass unsere Arbeit wichtig und unterstützungswürdig ist. Wir sind auf Sie angewiesen!

Sollten Sie mehr von unserer Arbeit wissen wollen oder kِnnten Sie sich eine ehrenamtliche Mitarbeit in einem familiären Team vorstellen, dann rufen Sie uns doch bitte an und wir vereinbaren einen Termin vor Ort. Wir freuen uns jedenfalls sehr über jedes Engagement!

Mit einem kleinen Gedicht des türkischen Schriftstellers Nazim Hikmet mِchten wir unsere Vorstellung von der “EINEN WELT” und unseren Dank an Sie verbinden:
“Leben  -  einzeln und frei wie ein Baum,
 doch brüderlich wie ein Wald.
 Das ist unsere Sehnsucht!”

 

Mit herzlichen Grüßen

 

 

 

 

Anlage: Spendenbescheinigung für 2003



 

Spenderbrief 2004/05


Weiden, den 25. Februar 2005

 

Liebe Spenderinnen und Spender, Förderer und Interessenten!

 

Wieder wurde im letzten Jahr eine Pisa-Schulstudie veröffentlicht und wieder mussten wir den erschreckenden Befund zur Kenntnis nehmen, dass die Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen in keinem europäischen Land so eng ist wie in Deutschland. Hier sind nicht nur schöne Worte, hier ist eine Trendwende erforderlich: Das Bildungssystem muss soziale Mobilität ermöglichen, anstatt bestehende soziale Unterschiede zu manifestieren - und dies wird nur gelingen, wenn die Schule der Zukunft mehr ist als ein bloßer Lernort. Bildungspolitisches und pädagogisches Ziel muss es unserer Erfahrung aus 20 Jahren interkultureller Betreuung nach sein, Schulen zu Lern- und Lebensorten für Kinder, Lehrer und Eltern zu entwickeln, basiert doch eine demokratische und humane Gesellschaft gerade auf der Anerkennung von Heterogenität und ist auf das Lernen, miteinander zu leben, angewiesen. Erst wenn wir von einer Schule für wirklich alle Kinder sprechen können - auch für die aufgrund des Sozialstatus ihrer Eltern oder aufgrund sprachlicher Defizite Benachteiligten - wird die Trendwende zu schaffen sein.

 

Sie werden sich nicht wundern, dass ich zu Beginn unseres Spenderbriefes auf diese Zusam-
menhänge zu sprechen komme, sind wir doch damit mittendrin in unserer Arbeit auch des letzten Jahres. Wir betreuen in unserer Hausaufgabenhilfe, die ich eigentlich besser Lebenshilfe nennen sollte, derzeit etwa 85 Kinder und Jugendliche - Flüchtlingskinder, Bürgerkriegsflüchtlinge, Kinder jüdischer Kontingentflüchtlinge, Gastarbeiterkinder und einige Kinder aus deutschen Familien. Ich möchte Ihnen im Rahmen des diesjährigen Spenderbriefes einmal kurz unseren Tagesablauf darstellen:

-  Um 11.30 Uhr beginnt für einige unserer MitarbeiterInnen die Arbeit mit der Vorbereitung des Mittagessens im Weidener Jugendzentrum (zuvor hatte unser “Hausmeister” schon die Getränke besorgt und haben andere die Tageseinkäufe erledigt - wobei wir auf ökologische Standards großen Wert legen; so werden wir regelmäßig auch von einem Biobauern mit Gemüse und Obst beliefert!);
-  für andere MitarbeiterInnen beginnt die Projektarbeit mit schulischer Vorbereitung, wieder andere kümmern sich schon um einzelne, frühzeitig aus der Schule kommende Kinder oder führen gezielt Spiele in Kleingruppen durch. Diese von den Kindern gern angenommenen Zuwendungen sind möglich, da ein Großteil der Kinder unmittelbar nach der Schule zu uns ins Projekt kommen, finden sie hier doch ihre Freunde, Spielmöglichkeiten, Anleitungen und AnsprechpartnerInnen;

-  um 13.30 Uhr ist dann gemeinsame, für alle Anwesenden (etwa 40 Personen) einzuhaltende Essenszeit, dient doch das Essen nicht nur der Sättigung, sondern gerade auch der Vermittlung sozialen Miteinanders; das Ritual des gemeinsamen Essens ist prägend für das Gefühl von Geborgenheit und Zuhause. Hier lernen Kinder, die oftmals keine Esskultur kennen, den Wert von Nahrungsmitteln zu schätzen und finden zu Meinungsaustausch und Gesprächen. Und auch die Themen “Umwelt und Ernährung” sind nicht erst seit Rio und BSE ein wichtiger Teilaspekt unserer Erziehungsarbeit;

-  nach dem Essen ist dann für die einen (Kinder der 2. bis 4. Jahrgangsstufe) nochmals Gelegenheit zu freiem Spiel, bietet doch das Freigelände des Jugendzentrums - und bei schlechtem Wetter auch das Haus selber - ein großes, vom Verkehr ungestörtes Betätigungsfeld, die anderen (Kinder der 1. und ab der 5. Jahrgangsstufe) gehen, die Kleineren natürlich begleitet, zu unseren neuen Räumlichkeiten im C&A-Gebäude in der Sedanstraße;

-  um 14.30 Uhr beginnt die Studierzeit in 8, von der jeweiligen Klassenstufe bestimmten Arbeitsgruppen mit (zumindest) jeweils zwei Betreuern (einer festen Gruppenleitung und ehrenamtlich Mitarbeitenden bzw. seit Jan. 05 “Ein-Euro-Kräften”). Die erste Studierzeit wird eisern eingehalten, sie dient vornehmlich der Anfertigung der Hausaufgaben, es herrscht Arbeitsstille! In den neuen Räumen im C&A-Gebäude wird die Arbeit durch eine kleine Bibliothek bzw. Medienraum und 2 Computerarbeitsplätze begünstigt;

-  um 16.30 Uhr wird eine Spiel- und Essens-/Trinkpause eingelegt. In den neuen Räumen befindet sich eine schöne Küche und in einem 165qm großen Etagenteil Kicker, Tischtennis, Airhockey und Billard;

-  ab 17.15 Uhr besteht in den Gruppen dann Gelegenheit zur Komplettierung der Hausaufgaben oder es ist jetzt die Zeit zum Wiederholen, Verstärken, Lernen in Nebenfächern. Die Grundschulkinder machen mit ihren BetreuerInnen Gesellschaftsspiele;

-  gegen 18.15 Uhr endet für die meisten Kinder der Tag in unserem Projekt. Mit den Jugend-
lichen weiterführender Schulen wird allerdings noch länger, je nach Notwendigkeit spätestens bis 20.15 Uhr, gearbeitet.

 

Was hat sich im letzten Jahr getan? Hierzu einige Schlaglichter:

-  Organisatorisch hat sich unsere Arbeit gefestigt. Unsere Befürchtungen, dass die räumliche Trennung zwischen Jugendzentrum und den durch Vermittlung von Rotary Weiden uns zur Verfügung gestellten Räumen im C&A-Gebäude “Sand ins Getriebe bringt”, haben sich nicht bestätigt, im Gegenteil! Wir können - nicht zuletzt Dank des großen Engagements aller MitarbeiterInnen - ruhiger und konsequenter arbeiten;

-  apropos MitarbeiterInnen: Es ist bemerkenswert, dass wir MitarbeiterInnen haben, die schon seit 10 Jahren ehrenamtlich in unserem Projekt mitarbeiten und ohne die natürlich unsere Arbeit gar nicht zu schaffen wäre; dass aber auch unsere festangestellten Mitarbeiterinnen
nun schon etliche Jahre bei uns sind und trotz niedriger Löhne nicht an einen Wechsel denken! Und eine weitere Besonderheit ist erwähnenswert: Die Einbindung von Flüchtlingen in unsere tägliche Projektarbeit, womit wir bewußt machen, dass eine solidarische, integrative Arbeit überaus erfolgreich sein kann. Zudem helfen uns “unsere” Flüchtlinge bei allen sprachlichen Problemen, insbesondere mit den Eltern - und dieses so hergestellte Vertrauen stellt eine wichtige Grundlage der Arbeit mit den Kindern dar;

-  ich sollte nicht vergessen darauf hinzuweisen, dass auch im letzten Schuljahr kein Kind aus unserer Betreuung das jeweilige Klassenziel nicht erreicht hat;

-  bzgl. der Räumlichkeiten ist zu erwähnen, dass Ende vergangenen Jahres ein Weidener Architekt mit der Planung eines Anbaus an die Pestalozzischule für unser Projekt beauftragt wurde. Wie ich Ihnen schon im letzten Spenderbrief mitgeteilt hatte, erhalten wir seit Sept. 2003 von der Bayer. Staatsregierung aus dem vom Bund initiierten Förderprogramm “Ganztagsbetreuung für Schülerinnen und Schüler der 5. - 10. Jahrgangsstufe” Mittel; die Pestalozzischule wurde dann als unsere Kooperationsschule bestimmt, da wir aus dieser Schule die meisten Kinder in unserem Projekt haben. Den Anbau, der zu 90% aus dem ebenfalls vom Bund erstellten Investitionsprogramm “Zukunft Bildung und Betreuung” finanziert wird, sollen wir in 2006 beziehen - na, schaun wir mal ...

-  äußerst schwierig sind - natürlich - nach wie vor unsere finanziellen Rahmenbedingungen:
Auf der einen Seite fällt das Arbeitsamt als früherer wesentlicher Geldgeber nahezu völlig
aus und gehen auch die freien Spenden leider stark zurück.
Auf der anderen Seite erfordert die soziale Lage der meisten betreuten Kinder und Jugend-
lichen und die Konstanz auf der Seite des festen Betreuungspersonals einen erheblichen finanziellen Aufwand. Aus dieser “Zwickmühle” kommen wir nicht heraus; wir können nur hoffen, dass Sie uns treu bleiben und dass auch unsere Hauptförderer (terre des hommes, Evang. Kirche Bayern, Aktion Mensch - natürlich nicht zu vergessen die Regierung der Oberpfalz und die Stadt Weiden) “bei der Stange bleiben”.

 

Einen anderen Aspekt unserer Arbeit, ich sprach eingangs von Lebenhilfe, möchte ich hier
nicht unerwähnt lassen: Die Hilfe, Unterstützung, Beratung für Flüchtlinge!
In der Tat hat deren Zahl erheblich abgenommen, doch kann dies angesichts des derzeitigen Zerfallsprozess des deutschen Asyl- und Flüchtlingsrechts nicht verwundern. Politik, Rechtsprechung und Verwaltung haben zugelassen, dass die Behandlung von Asylbegehren mit dem Anspruch eines demokratischen Rechtsstaats und dem darauf beruhenden Gebot eines fairen
und gerechten Verfahrens nicht mehr vereinbar sind. Aus unserer 20jährigen Asylarbeit müssen wir auf eine Niederlage nach der anderen schauen: Das Asylrecht wurde quasi abgeschafft - die Grenzen wurden dicht gemacht - und sollte dennoch ein Flüchtling durchkommen, so wird intensiv sein Reiseweg geprüft, um ihn ggf. in einen der uns umgebenden sogenannten sicheren Drittstaaten (oder auch in seinen Heimatstaat, aus dem er/sie vor Verfolgungsfurcht geflohen ist) abzuschieben.
Und dennoch war es für viele Menschen wichtig, dass wir da waren, Rat geben konnten (manchmal sogar erfolgreich), zur Seite standen, mitlitten.

 

Wie wird es nun weitergehen?

Eigentlich einfach zu beantworten: So wie schon viele Jahre - wir werden weiterarbeiten!
Aber nicht nur das, wir werden auch feiern. Den Grund habe ich schon angeführt - im Februar 2005 gibt es uns 20 Jahre. Im Februar 1985 bildete sich aufgrund der erstmaligen Zuweisung von Flüchtlingen nach Weiden und der Ablehnung in Teilen der Bevölkerung ein Arbeitskreis Asyl und noch im Frühjahr 85 gründete der AK Asyl zusammen mit Mitarbeitern des Kinder-
hilfswerks terre des hommes das Projekt “Betreuung von Flüchtlingskindern”. Und im April 85 gestattete der Oberbürgermeister der Stadt Weiden unserem Projekt den Einzug in Räume des Weidener Jugendzentrums in der Frühlingstraße.

Ich bitte Sie also sich drei Termine vorzumerken:

-  22. April 2005, 20 Uhr, von Schlör-Saal (Max-Reger-Halle)
Im Rahmen dieser Abendveranstaltung wird u.a. Heiko Kauffmann, ehemaliges Gründungs-
mitglied, Pressesprecher und Vorstandsmitglied von pro asyl über “Zuwanderung und Asyl
im Schatten der Sicherheit - Flüchtlingsschutz zwischen Völkerrecht und Antiterrorkrieg” sprechen.
-  23. April 2005, 15 Uhr, C&A-Gebäude in der Sedanstr. 5-7, 3. Etage: “Tag der offenen Tür”
Sie können sich vor Ort informieren oder auch bei Kaffee und Kuchen mit uns in Ruhe reden.
-  10. Juli 2005, ab 14 Uhr auf dem Gelände des Weidener Jugendzentrums (bei schlechtem
Wetter im Haus des Jugendzentrums): “Wir feiern gemeinsam”.
Unser alljährliches Sommerfest soll diesmal natürlich etwas ganz Besonderes sein - für die Kinder Spiele, schminken, verkleiden - Musik und Tanz - und natürlich Kaffee und Kuchen, kalte und warme Getränke, Gegrilltes, Falafel, Handpizza usw.

 

Zum Abschluss kann ich nur meine Worte der früheren Spenderbriefe wiederholen: Wir möchten Sie ganz herzlich bitten, uns mit Ihrem Interesse und Ihrer Unterstützung treu zu bleiben - und vielleicht können Sie auch den einen oder anderen Bekannten oder Verwandten davon überzeugen, dass unsere Arbeit wichtig und unterstützungswert ist. Wir sind auf Sie angewiesen!
Sollten Sie eventuell Interesse an einer Mitarbeit haben, sei es auch nur für ein paar Stunden,
so rufen Sie uns doch einfach einmal an - wir machen einen Termin “vor Ort”aus; wir würden uns jedenfalls riesig freuen und Sie werden merken, wie sehr Sie gebraucht werden. Ein gutes Gefühl!
Und auch das kleine Gedicht des türkischen Schriftstellers Nazim Hikmet möchte ich wieder-
holen, gibt es doch kurz und dennoch einfühlsam unser Arbeitsmotto wieder:
                                    “Leben  -  einzeln und frei wie ein Baum,
                                      doch brüderlich wie ein Wald.
                                      Das ist unsere Sehnsucht!”

 

Mit herzlichen Grüßen

 

ggf. Anlage: Spendenbescheinigung für 2004
und: Unser Spendenkonto bei der Stadtsparkasse Weiden (BLZ: 75350000) lautet: 461772



 

Spenderbrief 2005/06


Weiden, den Feb. 2006

 

Liebe Spenderinnen und Spender, Förderer, Unterstützer und Interessenten!

 

Lassen Sie mich Ihnen im Rahmen des diesjährigen Spender- und Jahresberichts zunächst einmal zu Beginn ganz herzlich Danke sagen, denn ohne Ihre - größtenteils schon seit vielen Jahren - anhaltende, konstante Unterstützung könnten wir bei allem eigenen ehrenamtlichen Engagement dieses Projekt gar nicht betreiben. Und wie Sie aus unseren bisherigen Spenderbriefen und ev. auch aufgrund Ihrer persönlichen Kenntnisse unserer Arbeit wissen, ist diese Arbeit für viele Kinder, Jugendlichen und Familien - im wahrsten Sinne des Wortes - lebenswichtig. Und so hoffen wir ganz, ganz sehr, dass Sie die Bedeutung Ihrer Unterstützung kennen, diese hoffentlich aufrechterhalten und vielleicht sogar Andere “zu uns bringen”.

Wenn Sie die Nachrichten der letzten Wochen in Sachen “Bildung, Ausbildung, Integration” Revue passieren lassen, so werden Sie feststellen, dass Ihre Unterstützung einem interkulturellen, sozialpädagogischen Betreuungsprojekt für Kinder/Jugendliche mit migrantischem Hintergrund dient, das von Beginn an auf der Höhe der Zeit war. Übertrieben?
Lassen Sie mich Ihnen unsere Antwort einmal im Zusammenhang mit Fragen und Erklärungen zum Besuch des Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung der UN-Menschenrechtskommission vom 13.2.2006 und andererseits durch einen Auszug aus unserem, von der Regierung der Oberpfalz genehmigten Förderantrag vom 7.6.2000 zur Bewilligung eines Staatszuschusses geben:

 

Die deutschen Schulen - ein Fall für die UN-Menschenrechtskommission?
Die zehntägige Inspektion von Vernor Munoz, Rechtsprofessor aus Costa Rica, löste Irritationen aus und offizielle deutsche Stellen wollten den Besuch am liebsten verschweigen. Auf Nachfrage wurde bisweilen peinliche Betroffenheit bis hin zur Verärgerung deutlich,
dass die UN-Kommission nach ihren Berichten über das Recht auf Bildung in Entwicklungs-
ländern wie Botswana, Kolumbien und Indonesien nun ausgerechnet das hochentwickelte Deutschland untersuchte.

Kein Routinebesuch, beileibe nicht. Niemand wird darüber klagen, dass die Menschenrechte hierzulande unmittelbar bedroht sind, Kinder wie in vielen Entwicklungsländern Hunger
leiden oder Gewalt erfahren. Gleichwohl machten offensichtlich viele Studien und Unter-
suchungen dem Sonderberichterstatter deutlich, dass das Menschenrecht auf Bildung in Deutschland als erheblich eingeschränkt anzusehen ist - vor allem, was die tatsächlichen Bildungs- und Berufschancen von Migrantenkindern (und auch der deutschen Kinder aus einfachen Familien) angeht.

Probleme lange bekannt
Nicht erst die beiden PISA-Studien von 2000 und 2003 haben dazu reichlich Belege geliefert und das deutsche Bildungssystem an den Pranger gestellt. Der emeritierte Erziehungswissenschaftler Jans-Günter Rolff, der bereits Ende der 60iger Jahre (!) die Debatte übder die fehlende Chancengleichheit in den Schulen angestoßen hatte, spricht von “einem Schandfleck des deutschen Bildungssystems”. Seit über 35 Jahren haben den Kultusministern immer wieder umfangreiche Studien, Analysen und Mikrozensus-Auswertungen über die herkunftsbedingten Nachteile von Kindern aus bildungsfernen Schichten vorgelegen. Geändert hat sich seither kaum etwas! Wird der UN-Besuch längst überfällige Reformen anstoßen?

Die Defizite lassen sich plakativ wie folgt beschreiben:

-   “Die Schule, so wie sie jetzt organisiert ist, kann die Nachteile, die aus einem Elternhaus mit geringem Bildungskapital herrühren, kaum beseitigen” (so die frühere CDU-Ausländer-
beauftragte Berlins, Barbara John, in einem Interview am 17.2.06);
-   die jüngste PISA-Studie belegt, dass “Bildungschancen nirgends so sehr von der sozialen Herkunft der Eltern abhängen wie in Deutschland” - gleichzeitig wird die Lernmittelfreiheit immer weiter eingeschränkt und Bayern führte das sog. Büchergeld ein;
-   die Chancengleichheit steht allenfalls auf dem Papier, wenn man die soziale und kulturelle Herkunft berücksichtigt: Ein Viertklässer aus einer deutschen Familie hat fast fünf Mal größere Chancen, vom Lehrer für das Gymnasium vorgeschlagen zu werden, als sein Klassenkamerad mit nichtdeutschen Eltern (bei gleicher Lese- und Mathematikkompetenz). “Die Nachteile für Kinder aus Migrationsfamilien sind tendenziell nachweisbar” (so die Autoren der Iglu-Studie im Jan. 04);
-   alarmierend ist die Erkenntnis, dass der Zugang zur Bildung in der 2. Migrantengeneration
oft noch schwerer fällt als in der Ersten; so haben Jugendliche, die im Ausland geboren wurden eine bessere Mathematikkompetenz erreicht, als jene, die in Deutschland geboren wurden;
-   die OECD-Studie “Bildung auf einen Blick” belegt, dass in Deutschland nur 14% der Schüler eine individuelle Förderung erhalten, der OECD-Durchschnitt liegt bei 72% (!);
andererseits schätzen Experten der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, dass etwa jedes vierte Kind in seiner Entwicklung gestört ist und dringend Hilfe braucht;
-   jeder fünfte (!) Jugendliche ausländischer Herkunft verlässt die Schule ohne Abschluss;
-   40% der Schüler türkischer Herkunft stehen nach der Schule ohne Ausbildungsplatz da und damit fast ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt (bei den deutschen Schülern sind es 8%).

 

Mit all den negativen Schlagzeilen wollen und dürfen wir uns nicht zufrieden geben.
In einem hochindustrialisierten Land wie der Bundesrepublik, in dem viele einfache Tätigkeiten in den vergangenen 30 Jahren wegrationalisiert wurden, ist Wissen die einzige Ressource. Somit wäre die Gruppe der Migranten (in den kommenden Jahren wird der Anteil von Kindern nichtdeutscher Herkunft oder mit bikulturellem Hintergrund - unabhängig von allen Abschottungsversuchen - steigen), die in der beschriebenen Weise von Bildung abgeschnitten ist, auch von wichtigen Integrationszugängen, wie zB dem Arbeitsmarkt, abgeschnitten. Es geht also um die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems. Und hier setzt unser Projekt seit jeher an; dazu heißt es in unserem Antrag an die Regierung u.a.:

“In unserem von ehrenamtlichem Engagement getragenen Projekt erhalten Flüchtlingskinder, Kinder jüdischer Kontingentflüchtlinge, Bürgerkriegsflüchtlinge, Gastarbeiterkinder und auch deutsche Kinder eine umfassende schulische Unterstützung, Förderung und Beratung, ist doch die Eingliederung in das bundesdeutsche Bildungssystem für eine nachhaltige und dauerhafte Integration (nicht nur) von Neueinwanderern und ihren Familien von besonderer Bedeutung. Wir wollen erreichen, dass das demokratische Prinzip “Gleiche Chancen für Alle” auch für ausländische Kinder Gültigkeit hat. Dieser pädagogische Ansatz war im übrigen auch maßgeblich für den Erfolg unseres Projektes im Rahmen des Wettbewerbs “startsocial” der Deutschen Industrie unter Schirmherrschaft des Bundeskanzlers im Jahr 2001 (unter 2400 teilnehmenden gemeinnützigen, sozialen Projekten kamen wir unter die 25 Ausgezeichneten)......

.... Ein großes Problem kommt nahezu für unsere gesamte Zielgruppe hinzu: Migrantenfamilien beherrschen die deutsche Sprache nicht oder nur unvollkommen, so dass die Kinder die deutsche Sprache im häuslichen Bereich zwar unter den Geschwistern nicht aber mit den Eltern sprechen können (wissenschaftliche Untersuchungen belegen im übrigen den Zusammenhang zwischen fehlenden oder mangelnden Deutschkenntnissen der Einwanderergeneration und den schulischen Leistungen der Kinder folgender Generationen).
Ältere Flüchtlings- und Migrantenkinder kennen ein weiteres Problem: Sie werden unmittelbar nach ihrer Ankunft - egal ob mit oder ohne schulischer Vorbildung, ob mit oder ohne deutschen Sprachkenntnissen - in die ihrem Alter entsprechende Klassenstufe eingeschult. Ohne Hilfe ist die Schule für solche Kinder einfach nicht zu schaffen....

....Psychisch schwer belastend wirken sich auf “unsere” Kinder die Zukunftsängste und existenziellen Probleme in vielen ausländischen Familien (insbs. den Flüchtlingsfamilien) aus. Die oftmals über Jahre bestehende Unsicherheit über den weiteren Aufenthalt in Deutschland, die Angst vor Abschiebung in das Land, aus dem man vor Krieg, Gewalt oder Folter geflohen ist oder auch die Sorge über das Leben der in den Fluchtländern zurückgebliebenen Angehörigen und Freunde bestimmen das tägliche Gespräch in den Familien, drücken schwer auf die Psyche der Kinder. Auch die oft fehlende Arbeit, die Abhängigkeit von Sozialleistungen und die daraus resultierende neue (fehlende) Rolle des Vaters quält die Familien. Ohne vertraute, konstante und offene Ansprechpartner wären die Kinder/Jugendlichen restlos überfordert und kaum in der Lage schulische Leistungen zu erbringen.....

Hinzu kommen die sozialen Probleme:
Die soziale Situation von Flüchtlingen und Migranten ist - gegenüber der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik - generell geprägt von geringeren formalen Qualifikationen, höherer Arbeitslosigkeit, geringerem Einkommen und schlechteren Wohnverhältnissen. Dies zeigt sich natürlich auch in unserem Projekt:
Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen kommt aus Familien in denen man oft nicht weiss, ob das Geld bis zum Ende des Monats reichen wird. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass die Arbeitslosenquote ausländischer Arbeitnehmer im Durchschnitt der letzten 20 Jahre etwa doppelt so hoch ist wie bei Deutschen und dass Flüchtlinge, wegen der sog. Vorrangprüfung, kaum noch einen Arbeitsplatz erhalten....”

 

Die Zukunft aller Kinder heißt folglich Bildung, Bildung und nochmals Bildung - was nach unserer Überzeugung bedeutet, dass Ganztagsangebote für Migrantenkinder (wie kompli-
ziert diese Darstellung im Einzelfall ist belegt die Tatsache, dass viele “unserer” Migrantenkinder mittlerweile einen deutschen Pass haben) noch wichtiger sind als für deutsche Kinder, denen zu Hause unterstützende Angebote gemacht werden. Kinder von Zuwanderern wachsen auch in diesem Bereich oft unter sehr viel ungünstigeren Bedingungen heran. Die Eltern sind meist nicht in der Lage, ihre Kinder zu unterstützen, weil sie selbst wenig Deutsch sprechen und oftmals aus bildungsfernen Schichten stammen.
Das bildungspolitische Leitmotiv des PISA-Sieger-Landes Finnland sollte auch für uns gelten:
“Wir brauchen hier jeden, hoffnungslose Fälle können wir uns nicht leisten”.

Und Belege dafür, dass Eltern und Kinder mitmachen und dass die Behauptung, Migranten hätten kein Interesse an Bildung ein Vorurteil ist, haben wir: So kommen - im Unterschied zu den Klagen vieler Horte - im Durchschnitt 85% der von uns betreuten Kinder und Jugendlichen täglich in unsere Projekträume im JUZ und in der Sedanstraße. Und in den vergangenen Jahren hatten wir zum Schuljahresschluß jeweils nur maximal zwei Kinder, die das Klassenziel nicht erreichten (und dies war zumeist auch noch aufgrund besonderer Umstände begründbar).

Zum Abschluß möchte ich Sie nochmals herzlich bitten, uns mit Ihrer Unterstützung treu zu bleiben - ganz einfach und doch so wichtig: Wir sind auf Sie angewiesen!
Sollten Sie ein Interesse an einer, auch nur stundenweisen Mitarbeit in unserer Hausauf-
gabenhilfe
haben - oder kennen Sie jemanden, der mitarbeiten möchte - so rufen Sie uns doch einfach einmal an. Dann machen wir einen Termin “vor Ort” aus und wir könnten dann alles Weitere besprechen und vereinbaren. Ich kann Ihnen versichern, dass Sie merken werden, dass Sie sehr gebraucht werden.
Mit dem kleinen Gedicht des türkischen Dichters Nazim Hikmet möchte ich auch diesen Spenderbrief wieder beschließen, beschreibt es doch kurz und einfühlsam unser Motto:

                                    “Leben - einzeln und frei wie ein Baum,
                                    doch brüderlich wie ein Wald.
                                    Das ist unsere Sehnsucht!”

 

Mit herzlichen Grüßen

 

 

 

ggf. Anlage: Spendenbescheinigung für 2005
Unser Spendenkonto bei der Sparkasse Oberpfalz Nord (BLZ: 75350000) lautet: 461 772



 

Spenderbrief 2006/07

 


 

Weiden, den 23. Januar 2007

 

 

Liebe Spenderinnen und Spender, Förderer, Unterstützer und Interessenten!

 

Im Roman von Antoine de St. Exupery, dem Autor des “Kleinen Prinzen” (der im übrigen
terre des hommes den Namen gab), finden sich folgende Zeilen:


“Mensch sein, das heißt: Verantwortung fühlen, sich schämen angesichts einer Not, auch wenn man offenbar keine Mitschuld an ihr hat, ..., fühlen, dass man mit seinem eigenen Stein mitwirkt am Bau der Welt”

 

Ich finde kaum eine passendere Darstellung des Kernmotivs unseres Engagements im Betreuungsprojekt des Arbeitskreis Asyl Weiden e.V. und der Arbeitsgruppe Weiden des Kinderhilfswerks terre des hommes. Mit dem eigenen Engagement dazu beitragen, dass auch hier bei uns in Deutschland alle Kinder eine Chance auf eine eigene Lebensperspektive erhalten - und das heißt in unserem Kontext: ein Recht auf Bildung haben - das hat etwas mit ´Mensch sein` in dem von St. Exupery beschriebenen Sinn zu tun und ist ein überzeugender Beitrag für ein Stück mehr Menschlichkeit auf dieser Erde. Ich hoffe sehr, dass Sie sich mit Ihren Vorstellungen in dieser Beschreibung wiederfinden, denn wir sind auf Ihre finanzielle und/oder ideelle Unterstützung auch künftig so sehr angewiesen. Und selten wird der Spruch, “nur gemeinsam sind wir stark”, so gelten wie in unserem Fall.

 

Im folgenden möchte ich Ihnen nun wieder - wie in jedem Jahr - einen kleinen Bericht über die Situation in unserem Projekt geben (auf Nachfrage können wir Ihnen auch gerne Kopien unserer drei letzten Jahresberichte zusenden); dazu zunächst einige statistische Angaben:

-  wir beginnen mit unserer täglichen Betreuung um 11.30 Uhr, das Mittagessen für 55 bis 65
Kinder/Jugendliche findet von 13.30 - 14 Uhr statt und wir beenden unsere Arbeit mit den meisten Kindern um 18 Uhr, mit den Älteren etwa gegen 19.30 - 20 Uhr

-  unser Projekt besuchen derzeit 137 Kinder und Jugendliche, vornehmlich mit Migrations-
hintergrund (d.h., das Herkunftsland der Eltern bzw. eines Elternteils liegt im Ausland, dies gilt aber nur teilweise für die Kinder, sind doch viele “Ausländerkinder” in Deutschland geboren)

-  die Eltern bzw. ein Elternteil und ggf. die Kinder kommen aus 24 verschiedenen Ländern
   (wir betreuen 58 zumeist türkische Migrantenkinder / 8 Aussiedlerkinder aus Rußland /
   10 jüdische sog. Kontingentflüchtlingskinder / 31 Kinder mit Bleiberecht, also ehemals
   Asylsuchende oder Bürgerkriegsflüchtlinge / 12 Kinder mit ungesichertem Aufenthaltsstatus,
   d.h. die Eltern befinden sich im Asylverfahren oder sind nur im Besitz einer Duldung /
   13 deutsche Kinder deutscher Eltern / 5 Kinder aus gemischten Ehen, die in keine der o.g.
   Kategorien passen)

-  im Jahresdurchschnitt sind täglich fast 90% (!) der Kinder/Jugendlichen anwesend

-  die Betreuung findet in altersdifferenzierter Weise und abgestellt auf die jeweilige schulische
   Jahrgangsstufe in 8 Gruppen in Räumen des Weidener Jugendzentrums und in einer uns seit
   April 2004 durch Vermittlung von Rotary Weiden zur Verfügung gestellten Etage im C&A-
   Geschäftshaus statt (etwa Mitte des Jahres 2007 müssen wir dann leider das JUZ, das insbe-
   sondere den kleineren Kindern ideale, weil vom Verkehr abgeschottete Spielbedingungen
   geboten hat, verlassen und einen neu erstellten Anbau an die Pestalozzi-Schule, unsere sog.
   Kooperationsschule, beziehen)

-  die Kinder/Jugendlichen besuchen 16 verschiedene Schulen (43 Grundschüler, 48 Hauptschüler, 46 Schüler weiterführender Schulen, d.h. gut 30% (!) der von uns zT schon über
   Jahre betreuten Kinder und Jugendlichen besuchen weiterführende Schulen)

-  im Schuljahr 2005/2006 haben wiederum alle (!) Kinder/Jugendlichen das Klassenziel
   erreicht (nur zwei Schüler wiederholen aufgrund ihrer noch unzureichenden Deutsch-
   kenntnisse freiwillig ihre jeweilige Klassenstufe)

-  den monatlichen Hortbeitrag iHv 40 € erhalten wir von den Eltern für 61 Kinder/Jugendliche,
   das Jugendamt übernimmt den Beitrag für 65 Kinder (mit Vollendung des 14. Lebensjahres
   übernimmt das Jugendamt leider keinen Beitrag mehr, so dass uns im Ergebnis der Jahres-
   beitrag für 11 Jugendliche fehlt)

-  personell wird die tägliche Arbeit von einem 30köpfigen, multikulturellen BetreuerInnen-
   team gewährleistet: Ursula Hess als “ehrenamtlicher Projektleiterin”, 7 fest angestellten und
   von uns finanzierten Gruppenleiterinnen, meheren ABM- und sog. 1€-Kräften und weiteren
   ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützern (vielleicht haben Sie auch etwas Zeit
   und könnten sich eine ehrenamtliche Mitarbeit in unserem Team vorstellen? Rufen Sie uns
   doch einfach einmal an und vereinbaren einen “Ortstermin”)

-  die monatlichen Betreuungskosten belaufen sich insgesamt je Kind/Jugendlichem auf 180 €,
   unter Außerachtlassung der vom Arbeitsamt geförderten Personalkosten auf 102 €

-  wir haben durch Ihre, oftmals schon über Jahre anhaltende Unterstützung ein durchschnitt-
   liches Jahresspendenaufkommen von sage und schreibe gut 25.000 €

-  zur Finanzierung unseres Projektes tragen darüberhinaus im Wesentlichen Zuschüsse der
   Regierung der Oberpfalz, des Arbeitsamtes, von terre des hommes, der Aktion 1+1 der
   Evang. Kirche in Bayern und die Hortbeiträge der Eltern bzw. des Jugendamtes bei. Und
   dennoch müssen wir nahezu jedes Jahr um den finanziellen Weiterbestand unseres Projektes
   bangen.

 

Im folgenden möchte ich nun kurz einige herausgehobene Ergebnisse des ersten Berichts der Kultusministerkonferenz “Bildung in Deutschland” vom 2. Juni 2006, der Empfehlungen der KMK “Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule” vom 25. Oktober 2006 und verschiedener Schulstudien (PISA, IGLU, Pisa-I-Plus, u.a.) darstellen, um so unter Verweis
auf unsere oben angeführten“statistischen Angaben” den Stand und die Wertigkeit unseres und  von Ihnen unterstützten Projektes aufzuzeigen (unter Umständen werden Sie gewisse Wieder-
holungen zu früheren Spenderbriefen feststellen, doch aufgrund des Gesamtzusammenhangs lässt sich dich nicht völlig vermeiden).

 

Zentrale Aussagen:

 

-  In keinem Industrieland ist der Bildungserfolg so stark vom sozialen Status der Eltern ab-
hängig wie in Deutschland; der enge Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungs-
erfolg verfestigt die Ausgrenzung vor allem auch der Migrantenkinder und -jugendlichen

-  fast 10% der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Legt man statt der Staatsangehörigkeit das Kriterium Migrationshintergrund zu Grunde, kommt fast ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Westdeutschland aus Migrantenfamilien

-  fast jeder fünfte ausländische Jugendliche verlässt die Schule ohne Abschluss (gegenüber jedem zwölften deutschen Jugendlichen), fast jedes zweite ausländische Kind besucht die Hauptschule (gegenüber jedem fünften deutschen Kind) und nur jeder Zehnte schließt die Schullaufbahn mit dem Abitur ab (gegenüber jeden vierten deutschen Schüler)

-  Kinder aus unteren sozialen Schichten, vor allem solche mit Migrationshintergrund, weisen bei der Übergangsentscheidung von der Grund-/Hauptschule an eine weiterführende Schule trotz gleicher Schulleistung (!) geringere Übertrittsquoten auf

-  Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund scheitern überdurchschnittlich häufig
an den nach Leistung differenzierenden Auswahlmechanismen des deutschen Schulsystems

-  noch alarmierender: in Deutschland geht die Schere zwischen einheimischen und Schülern
mit Migrationshintergrund im Laufe des Einwanderungsprozesses sogar noch weiter aus-
einander. In Deutschland geborene Migrantenkinder der zweiten Generation lagen mit ihren Schulleistungen erheblich hinter denen später zugewanderter Kinder - mit diesem Ergebnis
ist Deutschland Schlusslicht in der internationalen PISA-Studie

-  der Anteil der Arbeitslosen ohne angeschlossene Berufsausbildung ist bei Migranten mit über 70% weit mehr als doppelt so hoch wie bei Deutschen (28%)

 

-  während bei deutschen Jugendlichen nur ca. 12% ohne berufliche Ausbildung bleiben, liegt die Ungelerntenquote der jungen Migranten bei rund 40%

 

Was sagen uns nun die “zentralen Aussagen” und Befunde aller relevanten Berichte und Studien? Ziel einer modernen Integrationspolitik muss es sein, Migrantinnen und Migranten eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dazu gehört an allererster Stelle Chancengleichheit - und die müssen wir für alle Kinder einfordern. Denn hier geht es zutiefst um Menschenwürde, Menschenrechte und menschliche Entwicklungs-
möglichkeiten. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserem Projekt - und dies wird uns von allen Betroffenen, von den Kindern, den Eltern, von Lehrern und Förderern immer wieder bestätigt - hier einen für unsere Stadt und die Region wichtigen Beitrag leisten. Ich hoffe, dass ich mit der Gegenüberstellung unserer “statistischen Angaben” und den “zentralen Aussagen” aller ein-
schlägigen Berichte und Untersuchungen und den damit verbundenen Vergleichsmöglichkeiten Ihnen dies verdeutlichen konnte.

 

Lassen Sie mich meinen diesjährigen Spenderbrief mit einem optimistisch stimmenden Beispiel für die Einbindung und Ausstrahlungskraft unseres Projektes abschließen: Das Elly-Heuss-Gymnasium hat beschlossen, das für seine 80 Schülerinnen des sozialen Zweigs der 8. Klasse (G 8) auf jeweils 15 Stunden angelegte Sozialpraktikum in unserem Projekt durchzuführen. Die Schülerinnen sind uns hochwillkommen, sie helfen uns und wir können ihnen vor Ort zeigen, dass Andere nicht anders sind, nur anders gemacht bzw. anders dargestellt werden. Und so bin ich mir sicher, dass wir den “Gastschülerinnen” auch Einiges über soziales Miteinander, über Chancengleichheit und Gerechtigkeit, über Vorurteile und Offenheit vermitteln können.

 

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse, ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung und bitte Sie ganz herzlich und dringend, uns Ihre Unterstützung auch weiterhin zu gewähren (und vielleicht
können Sie auch ein bißchen Werbung für uns machen),
mit herzlichen Grüßen

 

 

ggf. Anlage: Spendenbescheinigung für das Jahr 2006
Unser neues Spendenkonto bei der Sparkasse Oberpfalz Nord (BLZ: 75350000)
lautet: 620 461 772